Liebe Gäste,

im Verlauf eines Lebens entwickelt jeder dritte Bundesbürger eine psychische Störung.
Schätzungen gehen davon aus, dass drei Millionen Kinder in Familien aufwachsen, in denen mindestens ein Elternteil psychisch erkrankt ist.

Was dies für das Familienleben bedeutet, ist für Außenstehende schwer vorstellbar.
Das Projekt „Ver-rückte Zeiten“ der Familienhaus Magdeburg gGmbH, in dem wir tätig sind, ist ein Präventionsprojekt für Kinder von psychisch erkrankten Elternteilen.

Präventionsarbeit ist unerlässlich um Kinder gemeinsam mit den Eltern zu begleiten, trotz der Besonderheit der elterlichen Erkrankung, in der Familie gesund groß zu werden. Eltern bleiben trotz psychischer Erkrankung Eltern. Sie sind durchaus in der Lage, Kinder zu erziehen. Manchmal erfordert es weniger,  manchmal auch mehr Unterstützung von außen, um den Zusammenhalt der Familie zu sichern.

Das Bild von Menschen mit psychischer Erkrankung ist oft von Vorurteilen geprägt. Um dies zu ändern, bedarf es eines Dialogs auf Augenhöhe. Dialog und Kunst – Kunst im Dialog. Kunst ist offen, nicht vordergründig bestimmten Zwecken unterzuordnen. Dennoch gibt es gesellschaftlich engagierte Kunst, Kunst, die provoziert, die zum Mitdenken und Mitgestalten einlädt. Kunst als Existenzform, Kunst als Akt des Sich-Einmischens sowie als Katalysator für kollektives Handeln.

Kreativität zeigt sich darin, dass man das Leben nicht einfach so nimmt. wie es ist, sondern sich fragt, ob man etwas verbessern oder verändern kann. Es geht also nicht um die Kreativität der Hochkreativen, sondern um alltägliche Kreativität. Menschen mit psychischen Erkrankungen sind Experten ihrer selbst. Kunst bietet die Möglichkeit, den öffentlichen Dialog auszubauen und / oder zu gestalten.

Die Fotos der Ausstellung „Angsträume besiegen – Barrieren verringern“ sind in Zusammenarbeit mit Betroffenen entstanden, das heißt die Experten für ihre besondere Lebenslage haben Regieanweisungen für die Fotos gegeben, um ihre Angsträume darzustellen. Die Bilder zeigen psychisch Erkrankte, aber auch nicht betroffene Menschen. Aber ein Unterschied ist für die Betrachter nicht zu erkennen.

Wir bedanken uns bei unserem Fotografen Matthias Sasse für die Zusammenarbeit mit viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen.
Wir bedanken uns bei der Fraktion „Die Linke/Tierschutzpartei“ für die Möglichkeit einen politischen Rahmen für die Bilder zu bekommen, denn psychisch Erkrankte - sowie stark belastete Menschen und deren Kinder sind auch ein gesellschaftspolitisches Thema.


Franka Berger & Sascha Schmidt

Familienhaus Magdeburg gGmbH

www.familienhaus-magdeburg.de